Digitale Muße und das Generationenproblem
- Juli 21st Juli 2010
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Ich habe mir interessehalber mal den aktuellen Spiegel gekauft. Darin geht es um das “Abschalten”. Um die Schwierigkeit mal “Off” zu sein und zu bleiben in unserer schnelllebigen Zeit. Der Spiegel umschreibt das sehr schön mit dem Wort Muße.
Dazu habe ich mir auch mal meine Gedanken gemacht und habe entdeckt, dass ich gar nicht das Bedürfnis dazu habe. Muße finde ich auch vor dem Rechner und trotz eingeschaltetem Smartphone. Ein netter Chat mit Freunden, ein Spielchen zwischendurch oder zielloses browsen im Web ist für mich Entspannung, keine Pflicht oder Bürde.
Eigentlich stelle ich bei mir eher das Gegenteil fest. Ich mag das Gefühl das Netz in der Tasche mit mir herum zutragen. Das ich jederzeit schauen kann was die Freunde gerade machen, wann das Bauwerk XY erbaut wurde, wie eigentlich Quantenphysik funktioniert, welche Blume dort am Wegessrand blüht, wie lang der Rhein eigentlich ist oder was nächste Woche in der Stadt los ist.
Ich denke, eigentlich stehen wir vor einem Generationenproblem. Große Teile der älteren Generation können nach wie vor nichts mit dem Netz und der Macht die es einem gibt anfangen. Vielen ist es vielleicht sogar unheimlich, dass man jederzeit alles nachschlagen kann. Das man immer und jederzeit mit jedem in Kontakt steht – sofern man das will. Und ein Ende ist nicht in Sicht – eher im Gegenteil. Und darüber freue ich mich.
Dementsprechend bin ich um so gespannter, was meine Generation aus der Welt machen wird. So viel Wissen, so viel Vernetzung und so viele Möglichkeiten wie wir sie haben hatte noch niemand. Wir haben unglaublich viele Chancen die wir kreativ nutzen müssen. Aber dafür müssen wir wohl die Gesellschaft sowie das Denken an sich revolutionieren.
Natürlich ist es gut, wenn man viel weiß – aber ist es in Zukunft noch nötig? Ist nicht mit der Erfindung des Taschenrechners, welchen heute jeder auf seinem Handy mit sich rum trägt, das Kopfrechnen teilweise überflüssig geworden? Mit einer Argumented Reality Sonnenbrille auf der Nase wird uns wahrscheinlich in wenigen Jahren schon der Gesamtbetrag beim Einkaufen angezeigt. Rechnen wird somit überflüssiger denn je.
Genau so wird es in Zukunft wohl noch mit viel mehr Dingen werden. Wahrscheinlich werden wir viel mehr Alltagsballast ins Digitale verbannen. Die Kapazitäten die dadurch frei werden können wir für andere Dinge nutzen. Ich hoffe, dass sich auch die Arbeitswelt verändert und sich den Gegebenheiten anpasst. Wahrscheinlich wird viel mehr von Zuhause oder Kollaborativ gearbeitet. So sparen wir uns den beschwerlichen Weg zur Arbeit und sind ausgeruhter und leistungsfähiger.
Die Zukunft wird uns wohl alle überraschen – aber ich freue mich drauf. Übrigens, gegen ein gutes Buch im Garten gibt’s nichts einzuwenden ;)
